Hilfreiche Dokumente (auch) für Therapeuten

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Muse
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Hilfreiche Dokumente (auch) für Therapeuten

Beitrag von Muse »

Hilfreiche Dokumente für MCS-Betroffene und Therapeuten
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„Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass viele Krankheiten, die früher als Schöpfungen von Somatisierern galten, entsprechend identifiziert wurden, sobald eine geeignete medizinische Technologie entwickelt wurde“. [1]
Mit MCS fallen die Betroffenen „aus dem Rahmen“ der traditionellen Schulmedizin – und meist schnell in die Schublade einer psychologischen Diagnose [2] [1]. Die MCS-Betroffenen wissen, dass NICHT die Psyche Ursache ihres Leidens ist [3] [4]. Daher richten sie i. d. R. an eine etwaige Psychotherapie nicht den Anspruch einer MCS-Heilung. Die ausbleibenden MCS-Besserungen nach psychotherapeutischen Behandlungen hält nun auch das Robert Koch-Institut in seiner Bekanntmachung vom Febr. 2020 fest:
„Nach wie vor kommen Patient(inn)en zur (weiterführenden) Abklärung in umweltmedizinische Sprechstunden, nachdem die Einordnung ihrer Beschwerden in die Diagnosegruppe der psychischen Erkrankungen nach entsprechenden psychotherapeutischen Behandlungen keine Besserung gezeigt hatte.“ [5]
-> Übrigens: weitere wichtige Aspekte der RKI-Bekanntmachung aus Sicht Umweltkranker sind im Forum hier zusammengefasst viewtopic.php?f=64&t=5335

Trotzdem: Eine psychotherapeutische (i. d. R. von Krankenkassen unterstützte) Begleitung kann angesichts der umfassenden psychischen Belastungen, die mit MCS verbunden sind, zur Krisenbewältigung durchaus hilfreich sein [3].

Um nur einige Beispiele aufzuzeigen:
  • Ein bisschen Rückenstärkung tut gut, wenn das ganze Lebensmodell zusammenbricht. Die Verlustbewältigung in unterschiedlichen Bereichen ist ein großes Themenfeld.
  • Der Umgang mit MCS ist belastend – und für unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen stellen Aspekte erforderlicher Bewältigungsstrategien unterschiedlich große Herausforderungen dar. Ein individuelles Coaching von „Coping-Strategien“ erleichtert u. U. den MCS-Alltag (der schon schwer genug ist).
  • Ein weiterer Effekt: mit einer Psychotherapie wird auch die Bereitschaft der MCS-Patienten unterlegt, ALLES Erdenkliche zur Genesung zu unternehmen. (Es soll schon Fälle von abgelehnten Rentenanträgen gegeben haben, weil diese Maßnahme nicht genutzt wurde).
„Obwohl es sich bei MCS/EHS um KEINE psychische Erkrankung handelt, schließt dies nicht die Möglichkeit aus, dass diese Klienten unabhängig davon mit psychischem Gepäck zu kämpfen haben. Das haben wir alle.“ [3][1]
Viele Psychologen sind mit dem Thema Umwelterkrankungen bzw. MCS leider nicht ausreichend vertraut. [1]
„Wenn sich Therapeuten bei der Behandlung von Menschen mit MCS auf Fachzeitschriften verlassen, werden sie leider nur wenig brauchbare Schriften zur Hilfe oder Bewältigung dieser Erkrankung finden.“ [1]

Welche fachkompetente Informationen bieten sich z. B. an?
  • Ausführlichere Informationen für die Zielgruppe der Psychotherapeuten
    hat Pamela Reed Gibson, eine US-Professorin für Psychologie, zusammengestellt. Sie untersucht seit 1992 die Auswirkungen von Umweltsensitivitäten auf das Leben, ist Autorin zahlreicher Artikel und kann mittlerweile auf eine Datenbank-Sammlung von mehr als 1400 MCS-Patienten zurückgreifen. Also: kombinierte Fachkompetenz aus den Bereichen Psychologie und MCS!
Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Gibson können Sie hier eine deutsche Version ihrer Präsentation abrufen: „Beratung von KLIENTEN MIT UMWELTSENSITIVITÄTEN - Eine Information für Psychotherapeuten“.

Hierin enthalten sind u. a. folgende Themen:
  • Was sind Umweltsensitivitäten?
  • Wie verbreitet sind Umweltsensitivitäten?
  • Warum sollte jemand mit Umweltsensitivitäten zu einem Therapeuten gehen?
  • Was könnten Klienten mit einer Umweltsensitivität durchmachen, bevor sie einen Therapeuten aufsuchen?
  • Was brauchen Menschen mit MCS oder EHS von einem Therapeuten?
  • Vita von Prof. Gibson
  • Ergänzende Hinweise des Übersetzers, z. B. zur Situation deutscher MCS-Patienten und weiteren deutschen Info-Quellen
Und hier das pdf-Dokument zum kostenlosen Download:
Therapeuten_Infos_Umweltsensitive_deutsch_ESRT.pdf
(Download: einfach Linkzeile anklicken -> im Folgefeld dann die Auswahl anklicken „öffnen mit `Adobe Acrobat Reader DC´ und mit „OK“ bestätigen!):

Auch ihr Buch mit dem Titel: „Multiple Chemical Sensitivity – A Survivial Guide“ stellt Prof. Gibson kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung. Sie empfiehlt, das Kapitel 9 mit dem Titel „Wenn Sie nicht verrückt waren, bevor Sie sensibilisiert wurden, `sind Sie es jetzt´ “ ebenfalls den Therapeuten vorzulegen. Deshalb nachfolgend auch eine (unverbindliche) Übersetzung dieses Kapitels zum Lesen und ggf. Ausdrucken:
9_Kapitel_deutsch_ESRT.pdf
(Download: einfach Linkzeile anklicken -> im Folgefeld dann die Auswahl anklicken „öffnen mit `Adobe Acrobat Reader DC´ und mit „OK“ bestätigen!)
-> Übrigens: In dem vorstehenden Dokument finden Sie auch die Verlinkung zum kostenlosen Buch-Download.
„Es ist wichtig, zu lernen, wie Sensitivitäten mit psychischen Schwachstellen interagieren und diese beeinflussen, damit Sie erfolgreicher damit umgehen können.“ So lautet eine Anregung der Psychologie-Professorin für MCS-Patienten.
Mögen diese Informationen und Unterlagen hilfreich sein:
- für alle MCS-/EHS-Patienten, die mit der Entscheidung ringen, ob sie eine Psychotherapie in Anspruch nehmen wollen.
- für alle MCS-/EHS-Patienten, die bereits eine Psychotherapie besuchen und ihrem Therapeuten fachkompetente Unterlagen aushändigen wollen, die ihre Selbsteinschätzung wissenschaftlich untermauern.
- für alle Therapeuten, die sich auf einen Termin mit einem neuen MCS-/EHS-Klienten vorbereiten möchten.
- für alle Therapeuten, die gerne Orientierungshilfen annehmen, zur erfolgreichen Begleitung eines MCS-/EHS-Patienten.
- für alle weiteren Interessierten.....

-> Übrigens: einen Überblick zu den MCS-Problemen aus Betroffenensicht finden Sie hier im Forum "Allgemeines zu psychischen Aspekten" viewtopic.php?f=322&t=5378

Literaturverzeichnis
[1] P. Gibson, MCS - A Survival Guide, kostenlose Downloadoption https://www.mcsresearch.net/take-action.
[2] „Interview an der TU Berlin, Prof. Dr. Maschewsky: MCS,“ [Online]. Available: https://www.tu-berlin.de/fileadmin/f12/ ... 70_073.pdf.
[3] „Pamela Reed Gibson “Counseling Clients with environmental sensitivities”,,“ [Online]. Available: https://www.mcsresearch.net/counseling- ... sitivities.
[4] „Deutscher Berufsverband Klinischer Umweltmediziner e. V. "MCS-Fachinformation",“ [Online]. Available: https://www.dbu-online.de/fileadmin/use ... _Info1.pdf. [Zugriff am 22 Jul 2020].
[5] „Bundesgesundheitsbl 63, 242–250 (2020), RKI: Umweltmedizinische Versorgungssituation von Patientinnen und Patienten in Deutschland.,“ 30 Jan 2020. [Online]. Available: https://link.springer.com/content/pdf/1 ... 3074-x.pdf.
[6] „Pixabay (kosten- und lizenzfreie Bilder),“ [Online]. Available: https://pixabay.com/de/service/terms/. [Zugriff am Jul 2020].
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Muse
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Re: Hilfreiche Dokumente (auch) für Therapeuten

Beitrag von Muse »

Bild Nachfolgend zwei interessante Artikel von umweltmedizinischen Experten:

1) "Soziale Auswirkungen von chemikalieninduzierten Krankheiten"
Quellenangabe: Autor: Dr. Hans-Ulrich Hill, veröffentlicht in umwelt-medizin-gesellschaft 21(4)

Dr. Hans-Ulrich Hill trifft darin u. a. folgende Aussagen:
Die offizielle Schulmedizin ist bislang nicht in der Lage, die durch Chemikalien ausgelösten Krankheiten adäquat zu diagnostizieren und zu behandeln. Der Ausweg in eine rein psychische Diagnose und Therapie ist ein Irrweg, der in der Regel zu keiner Besserung der Krankheitssymptome führt. Die Anwendung von Psychopharmaka muss vor dem geschilderten Hintergrund als Fehltherapie bezeichnet werden.
Zusammenfassend ist festzustellen: Es zeichnet sich ab, dass die schweren Krankheiten, die durch Chemikalien ausgelöst werden, zu einer vielfachen Erhöhung der Suizidrate bei betroffenen Patienten führen.
Hier gelangen Sie zum vollständigen Artikel: http://www.umg-verlag.de/umwelt-medizin ... 8_mag1.pdf


2) "Depression bei umweltmedizinischen Erkrankungen"
Quellenangabe: Autor: Dr. Kurt E. Müller, veröffentlicht in umwelt-medizin-gesellschaft 4/2010

Dr. Kurt E. Müller geht darin ausführlich auf relevante Aspekte der Neuro-Endokrino-Immunologie ein und führt u. a. aus:
  • Bei 80 % der untersuchten umweltbelasteten Patienten wurde eine Schädigung der Dopamin D2-Rezeptoren nachgewiesen.
  • Nachweislich besteht bei Patienten mit zellulärer Sensibilisierung gegenüber Dentalmetallen eine erhöhte Bereitschaft der Bildung von Autoantikörpern auch gegenüber Serotonin.
  • Als Folge der entzündlichen Erkrankung entwickelt sich eine der Inflammation assoziierte depressive Symptomatik. Die übliche Verordnung von SSRI ist in einer solchen Situation ohne wesentlichen therapeutischen Effekt und erhöht i.d.R. unnötig das Maß der Komplikationen.
  • Zahlreiche Umweltschadstoffe können die Atmungskette unmittelbar funktionell und/oder strukturell beeinträchtigen. Der durch einen geringen Adenosintriphosphat (ATP)-Vorrat bedingte Leistungsverlust (wie schnelle Ermüdbarkeit und langsame Erholungsfähigkeit) werden i.d.R. als Depression diagnostiziert.
  • In dem Artikel werden Mechanismen abgebildet, die Symptome verursachen, die häufig Grundlage der Diagnose Depression sind. Doch wesentliche Auslöser können u. a. Infekte sein, zahlreiche Medikamente oder aber Expositionen gegenüber vielen Umweltchemikalien.
Hier gelangen Sie zum vollständigen Artikel: https://www.inflammatio.de/fileadmin/us ... g-2010.pdf
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Re: Hilfreiche Dokumente (auch) für Therapeuten

Beitrag von UweK »

Das alles muss ich zuerst gut durchlesen
Zuletzt geändert von UweK am Sa 11. Sep 2021, 23:42, insgesamt 1-mal geändert.