Drei-Punkte-Fragebogen zur Identifizierung chem. Intoleranz (2020)

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Muse
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Drei-Punkte-Fragebogen zur Identifizierung chem. Intoleranz (2020)

Beitrag von Muse »

Im Sept. 2020 wurde eine Studie der University of Texas Health Science Center at San Antonio publiziert von Palmer et al.:

Drei Fragen zur Identifizierung von chemisch intoleranten Personen in klinischen und epidemiologischen Populationen:
Das BRief Environmental Exposure and Sensitivity Inventory (BREESI©)


Trotz einer relativ hohen Prävalenzrate in der Bevölkerung wird eine Chemikalien-Intoleranz (CI) häufig nicht diagnostiziert. Ein Teil der Herausforderung für die Ärzte besteht darin, dass die aktuellen Diagnoseverfahren zu zeitaufwendig für die Routineanwendung sind. Um diesem Bedarf und der Notwendigkeit eines nützlichen epidemiologischen Instruments Rechnung zu tragen, haben Wissenschaftler den folgenden Drei-Punkte-Fragebogen BREESI© entwickelt und getestet. Sie empfehlen, dieses Kurz-Screening routinemäßig umzusetzen und bei einem positiven Ergebnis (Hinweis auf CI) den umfassenderen QEESI©-Fragebogen einzusetzen.

Die 3 BREESI©-Fragen sind jeweils mit JA oder NEIN zu beantworten:
  • 1. Fühlen Sie sich krank, wenn Sie Tabakrauch, bestimmten Duftstoffen, Nagellack/-Entferner, Motorabgasen, Benzin, Lufterfrischern, Pestiziden, Farben/Verdünnungsmittel, frischem Teer/Asphalt, Reinigungsmitteln, neuen Teppichen oder Möbeln ausgesetzt sind?
    (Mit krank ist gemeint: Kopfschmerzen, Denkschwierigkeiten, Atembeschwerden, Schwäche, Schwindelgefühl, Magenverstimmung usw.)
  • 2. Haben Sie Unverträglichkeiten (unerwünschte oder allergische Reaktionen) gegenüber
    - Medikamenten/Arzneimittel (wie z. B. Antibiotika, Anästhetika, Schmerzmittel, Röntgenkontrastmittel, Impfstoffen oder Antibabypillen)?
    - einem Implantat, einer Prothese, Verhütungsmittel oder einem anderen (zahn-)medizinischen /chirur-gischen Material oder Verfahren?
  • 3. Haben Sie Unverträglichkeiten (unerwünschte oder allergische Reaktionen) gegenüber
    Lebensmittel wie Milchprodukte, Weizen, Mais, Eier, Koffein, alkoholische Getränke oder Lebensmittel-zusatzstoffe
    (z. B. MSG [Geschmacksverstärker], Lebensmittelfarbstoffe)?
Erläuterungen zu den Auswertungsergebnissen (basierend auf den Studienerkenntnissen)
  • Alle drei Fragen des BREESI© wurden mit „JA“ beantwortet:
    90 % der Teilnehmer, die alle drei Items des BREESI© mit "ja" beantworteten, entsprachen den QEESI©-Kriterien, die aufgrund ihrer chemischen Intoleranz und ihrer Symptomwerte „sehr wahrscheinlich“ auf eine CI hindeuten (positiver Vorhersagewert = 90%).
  • Zwei Fragen des BREESI© wurden mit „JA“ beantwortet:
    Für Teilnehmer, die zwei Items bejahten, wurden 93 % eingestuft als
    − „sehr wahrscheinlich CI“ (39 %) oder
    „wahrscheinlich CI“ (54 %)
    (positiver Vorhersagewert Wert = 87%).
  • Lediglich eine Frage des BREESI© wurden mit „JA“ beantwortet:
    Von den Teilnehmern, die nur ein Item bejahten, erfolgten folgende CI-Klassifizierungen:
    − 13 % als „sehr wahrscheinlich CI“
    − 70 % als „wahrscheinlich CI
  • Alle drei Fragen des BREESI© wurden mit „NEIN“ beantwortet:
    Von denjenigen, die bei allen BREESI©-Items mit "Nein" antworteten, wurden 95% als „unwahrscheinlich“ in Bezug auf eine CI eingestuft (d. h. negativer Vorhersagewert = 95 %).
Die Antwortquoten für die Gesamtstichprobe zu den einzelnen BREESI©-Items waren wie folgt:
  • 23,8 % der 293 Teilnehmer wählten alle drei BREESI©-Items
    22,2 % wählten zwei Items
    28,7 % wählten nur ein Item
    25,3 % stimmten keinem Item zu
Der 2-stufige Krankheitsmechanismus "Toxicant-Induced Loss of Tolerance (TILT)"
  • Die spezifischen Mechanismen, die der CI zugrunde liegen, sind schwer fassbar, aber es gibt Hinweise auf einen allgemeinen Krankheitsprozess, der als "Toxicant-Induced Loss of Tolerance (TILT)" bezeichnet wird und grob die Vielzahl von Symptomen und Unverträglichkeiten gegenüber Chemikalien, Nahrungsmitteln und Medikamente umfasst, die Wissenschaftlern aus Patientenberichten vorliegen [14-16].
  • 1. Stufe / Initiation:
    Auslösung durch ein größeres Expositionsereignis oder eine Reihe von Expositionen.
  • 2. Stufe / Beschwerdeauslöser:
    Betroffene Personen erleben Multisystem-Symptome, die durch alltägliche Chemikalien, Lebensmittel und Medikamente ausgelöst werden, die sie vorher nie beeinträchtigt haben und die die meisten Menschen nicht stören.
  • Mediziner haben heute Schwierigkeiten, TILT-bezogene Erkrankungen zu diagnostizieren, weil das medizinische Personal wenig oder gar nicht in Bezug auf diese Unverträglichkeiten geschult ist, an denen keine klassischen Immunglobuline (z. B. IgE, IgG) beteiligt sind.
"Zu viele Symptome in zu vielen Organsystemen" frustriert Ärzte und Patienten gleichermaßen [28].
  • Es ist nur allzu leicht, TILT als stressinduziert oder psychosomatisch abzutun. Stress kann und wird gleichzeitig auftreten. Stress kann eine Folge von TILT oder jeder anderen toxischen Belastung sein. Es müssen jedoch auch die einleitenden und auslösenden Expositionen angesprochen werden.
  • Es ist wichtig zu erkennen, dass die üblichen Medikamente, die gegen Stress verschrieben werden, wie Antidepressiva oder Anxiolytika, oft die Symptome von TILT verschlimmern.
  • Neu auftretende (oder sich deutlich verschlimmernde) Unverträglichkeiten gegenüber Chemikalien, Nahrungsmitteln und Medikamenten sind Kennzeichen von TILT, ähnlich wie Fieber eine mögliche Infektion anzeigt.
Der BREESI© kann Ärzten und Wissenschaftlern helfen zwischen Stress und möglichen Chemikalien-, Nahrungsmittel- und Medikamentenunverträglichkeiten zu unterscheiden. Die Wissenschaftler schlagen vor, den BREESI© den Patienten bei jedem Besuch zu präsentieren, denn dieser ist genauso wichtig wie die Frage nach früheren Unverträglichkeiten gegenüber Latex oder Antibiotika.
Personen, die 2 oder 3 BREESI©-Items aufweisen, können ein höheres Risiko haben, zusätzliche Unverträglichkeiten oder schädliche Reaktionen auf Expositionen oder Medikamente zu entwickeln.
Zu den Ärzten, die von der Verwendung des BREESI© profitieren könnten, gehören die meisten Hausärzte, Allergologen, Dermatologen, Arbeitsmediziner, Zahnärzte, Psychologen und Psychiater. Diese Ärzte sehen häufig Patienten mit multisystemischen Gesundheitsbeschwerden, kognitiven Konfusionen, Müdigkeit und Depressionen. Die gemeinsame Anwendung des BREESI© und des QEESI© könnte helfen, Patienten zu identifizieren, die eher chemisch intolerant sind, und ihnen zu helfen, Expositionen zu vermeiden oder zu minimieren.

Der BREESI© erwies sich als ein vielseitiges Screening-Instrument zur Beurteilung einer potenziellen CI. Er ist in wenigen Minuten umgesetzt und weist im Vergleich mit dem QEESI©-Referenzstandard eine ausgezeichnete Prognosefähigkeit sowie eine hohe Sensitivität und Spezifität auf.

Ergänzende Informationen mit Bezug zur Studienpublikation: Die vorstehenden Aussagen sowie weitere Inhalte der Studienpublikation finden Sie in dieser pdf-Datei (kostenloser Download - einfach anklicken und Öffnen bestätigen):
MCS_drei_Diagnosefragen_Sept_2020_DE_Forum.pdf

Rechtliche Hinweise:

a) Das Verzeichnis der vorstehenden [Quellenangaben] ist dem Originaltext zu entnehmen. Siehe nachfolgende Verlinkungen unter b)

b) Urheber- und Publikationsrechte
Studie der University of Texas Health Science Center at San Antonio “Three questions for identifying chemically intolerant individuals in clinical and epidemiological populations: The Brief Environmental Exposure and Sensitivity Inventory (BREESI©)” von Palmer et al. (Copyright), publiziert 09/2020 in folgenden Portalen (Quellenangabe des englischsprachigen Originaltextes):
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32936802/
https://journals.plos.org/plosone/artic ... ne.0238296


c) Open Access Artikel
lizenziert unter einer internationalen Creative Commons Attribution 4.0 Lizenz, die die Nutzung, gemeinsame Nutzung, Anpassung, Verbreitung und Vervielfältigung in jedem Medium oder Format erlaubt, solange der/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle angemessen erwähnt werden. Ergänzende Hinweise zu den Bedingungen der Creative Commons CC BY-Lizenz 4.0 International. S. Quelle: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de

d) Änderungshinweise:
Für den hier publizierten Foreneintrag bzw. das angehängte pdf-Dokument wurden folgende Änderungen der Originalpublikation vorgenommen:
- Unverbindliche Deutsch-Übersetzung.
- Die Studie wurde nicht komplett übersetzt bzw. hier wiedergegeben, sondern nur in Auszügen. Es wurden keinerlei Tabellen bzw. Abbildungen übernommen.
- Zum Teil wurden Auswertungsergebnisse strukturiert zusammengefasst/abgebildet (anstelle des Fließtextes des Originalberichtes).
- Im Interesse der Leser-Orientierung erfolgte vereinzelt eine inhaltliche Umstrukturierung von Textpassagen (Remix, ohne die inhaltlichen
Aussagen zu verändern) sowie eine ergänzende Aufnahme eines Symbolbildes (kosten-/lizenfreie Bildquelle https://pixabay.com/de/ ) und einer Inhaltsübersicht.
- Der Artikel wurde erweitert um Verlinkungen zu im Internet verfügbaren BREESI© und QEESI© Fragebogen.
- Folgende Inhalte des Originalberichtes wurden nicht oder nicht vollständig übernommen und sind dem Originalbericht zu entnehmen:
Die Autoren-Übersicht, das Quellenverzeichnis, die Angaben unter „Supporting information“, Detailinformationen bzgl. Studienmaterial und –methoden (wie z. B. Stichproben, statistische Angaben), Abbildungen von Studienergebnissen
- Die Inhalte der pdf-Datei wurden im Foren-Artikel nur auszugsweise wiedergegeben, diese Datei wird als ergänzender Download kostenlos zur Verfügung gestellt.


e) Haftungsausschluss
DieserArtikel/dieses Dokument soll hilfreiche Informationen zum behandelten Thema liefern, um einen Überblick zu verschaffen und MCS-Patienten/Interessierte zu unterstützen. Die Ausarbeitung dient ausschließlich zur unverbindlichen Information und kann aufgrund der Themen-Komplexität nur einige Aspekte/Auszüge der Gesamtstudie aufzeigen. Die hier vermittelten bzw. verlinkten Inhalte erheben folglich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die vorstehenden Übersetzungen können nur unverbindlich zur Verfügung gestellt werden und ersetzen nicht das englische Original. Es handelt sich um eine PC-gestützte (kostenlose Version von DeepL), keine professionelle Übersetzung. Weder DeepL GmbH noch die Autorin/Übersetzerin übernehmen eine Haftung für die Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Richtigkeit der hier angebotenen Übersetzungen. Die Autorin/Übersetzerin übernimmt keinerlei Gewähr hinsichtlich der Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen oder die Inhalte der hier verlinkten Internetseiten. Zum Zeitpunkt der Linksetzung waren keine illegalen Inhalte auf den verlinkten Seiten erkennbar.
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