Alzheimer Studien sollen vorangetrieben werden

Tohwanga
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Alzheimer Studien sollen vorangetrieben werden

Beitrag von Tohwanga »

Pharma-Giganten schmieden Allianz gegen Alzheimer
Bei kaum einer Krankheit gibt es so schnell wachsende Fallzahlen wie bei Alzheimer. Doch die Forschung kommt bislang kaum voran – nun schließen sich die weltgrößten Pharmakonzerne zusammen.
Wenn es eine Krankheit gibt, die sogar Pharmaforscher das Fürchten lehrt, dann ist es Alzheimer. Anders als bei Krebs oder Aids, wo es in den vergangenen Jahren gewaltige Fortschritte gab, sind bei der häufigsten Form aller Demenzerkrankungen auch mehr als 100 Jahre nach ihrer Entdeckung weder die Ursachen restlos geklärt, noch gibt es ein Heilmittel.

Abhilfe soll nun aus Großbritannien kommen: Die britische Regierung kündigte auf dem ersten Demenzgipfel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf an, gemeinsam mit fünf der weltgrößten Pharmakonzerne einen Risikokapitalfonds ins Leben zu rufen.

Das Investmentvehikel namens "Dementia Discovery Fund" soll zunächst mit 100 Millionen Pfund (umgerechnet 139 Millionen Euro) ausgestattet sein und einzig einem Zweck dienen: die kostspielige Forschung nach einer Therapie gegen Demenz finanziell zu unterstützen.

"Wenn wir diese schreckliche Krankheit wirklich besiegen wollen, müssen wir entschieden und auf globaler Ebene in die medizinische Forschung investieren", erklärte Großbritanniens Premier David Cameron das ungewöhnliche Projekt, das als das weltweit erste seiner Art gilt.

Frühzeitig Allianzen mit Biotech-Firmen

Neben der britischen Regierung und einer Wohltätigkeitsorganisation sind die US-Konzerne Biogen, Pfizer, Johnson & Johnson, Eli Lilly sowie der britische Pharmariese GlaxoSmithKline beteiligt. Die US-Investmentbank JP Morgan sitzt als Berater mit im Boot. In einem späteren Schritt solle der Fonds für weitere Investoren geöffnet werden, hieß es.

Den Plänen zufolge soll ein Expertengremium nun darüber entscheiden, welche Forschungsprojekte und Start-ups künftig mit Mitteln aus dem Fonds gefördert werden.

(Meine Anmerkung: Umweltmediziner sehen Alzheimer als eine schadstoffinduzierte Erkrankung an. Ob auch die Forscher zu diesem Ergebnis kommen, bleibt zu Fragen. Ich bin gespannt auf die nächsten Jahre, was diese Forschungsprojekte analysieren und zur Kenntnis bringen.)


Für die beteiligten Pharmakonzerne, die bisher mit eher mäßigem Erfolg in der Alzheimer-Forschung aktiv sind, bietet sich auf diese Weise auch die Möglichkeit, sich frühzeitig Allianzen mit aussichtsreichen Biotech-Unternehmen zu sichern.
(Weil für mich einfach das Thema, u.a. auch durch den Till Schweiger Film "Honig im Kopf", so interessant und aktuell ist, stelle ich den ganzen Artikel ein.)
Für Großbritanniens Premier Cameron wiederum hat das Prestigeprojekt gleich mehrere Vorteile. In den vergangenen Jahren musste der Standort Großbritannien eine Reihe von Kürzungen ausgerechnet in den Forschungsabteilungen großer Pharmakonzerne verkraften.

Mit einem spendablen Fonds, der sein Risikokapital auch in frühe Forschungsansätze investieren will, sorgt die Regierung mitten im Wahlkampf für die Unterhauswahlen für positive Pharmaschlagzeilen. Zudem hat sich Cameron den Kampf gegen Alzheimer bereits seit Jahren auf die Fahnen geschrieben: Im Jahr 2013 setzten sich die acht führenden Industrienationen (G8) auf Initiative von Gastgeber Großbritannien das Ziel, bis zum Jahr 2025 ein Heilmittel oder wenigstens eine wirksame Therapie gegen Alzheimer und andere Formen der Demenz zu finden.

Zahl der Erkrankten steigt rasant

Cameron hat seitdem mehrfach betont, dass sein Land dabei eine führende Rolle einnehmen soll. Wie die meisten westlichen Industrienationen sieht sich auch Großbritannien mit einer wachsenden Überalterung der Gesellschaft konfrontiert. Alzheimer wiederum tritt in der Regel erst nach dem 60. Lebensjahr auf und dürfte angesichts steigender Fallzahlen die Gesundheitskassen vieler Länder künftig vor erhebliche Probleme stellen.

Bleibt es bei diesem Betrag, ist die Initiative eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Oliver Siegel, Geschäftsführer des Biotech-Unternehmens Affiris

Innerhalb der Biotech-Branche wird das Prestigeprojekt Camerons indes eher verhalten bewertet. Alzheimer sei bereits einer der bestfinanziertesten Entwicklungsschwerpunkte, teilte Oliver Siegel, Geschäftsführer des Wiener Biotech-Unternehmens Affiris, das unter anderem an einem Impfstoff gegen Alzheimer forscht, der "Welt" auf Anfrage mit.

"Insofern ist diese Initiative, solange es bei diesem Betrag bleibt, eher ein Tropfen auf dem heißen Stein." Die Beteiligung der Pharmaindustrie an dieser Initiative reflektiere zudem offenbar das Eingeständnis, "dass die geltenden Hypothesen, die die derzeitige Entwicklungsarbeit stützen, zu kurz gesprungen sein könnten und der Forschungsdurchbruch noch in ferner Zukunft liegt."

Weltweit leiden nach Angaben der WHO derzeit mehr als 35 Millionen Menschen an Demenz, deren häufigste Form die Alzheimer-Erkrankung ist. Bis zum Jahr 2050 könnte sich die Zahl der Erkrankten den Schätzungen zufolge verdreifachen.

Schwierige Suche nach einer Therapie

Trotz vieler Forschungsansätze und millionenteurer Studien ist die Suche nach wirksamen Therapien bisher nicht sehr weit gekommen: In den vergangenen 15 Jahren haben es Branchenexperten zufolge gerade einmal drei neue Medikamente zur Behandlung von Alzheimer zur Marktreife geschafft, und keines von ihnen kann die Erkrankung wirklich dauerhaft aufhalten.

An Geld fehlt es nicht, im Gegensatz zu anderen Krankheitsfeldern: So kommt etwa die Suche nach neuen Antibiotika oder Mitteln gegen Tropenkrankheiten wegen der eher geringen finanziellen Mittel für die Forschung nur schleppend voran.

Bei Alzheimer sind viele große Pharmakonzerne hingegen durchaus bereit, viel Geld in die hochkomplexe Demenzforschung zu stecken. Diese gilt angesichts des riesigen Marktpotenzials als extrem lukrativ – zumindest dann, wenn die Wissenschaft dem Rätsel dieser Erkrankung und wie sie zu heilen wäre, eines Tages tatsächlich auf die Spur kommt.

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